Segelschiffe nehmen ihre Kraft aus dem Atem der Welt

„Segelschiffe nehmen ihre Kraft aus dem Atem der Welt.“ Steht als Widmung in meinem Buch über „Seemannschaft für Großsegler“ von Lore Haack-Vörsmann.

Ich finde, jeder, der ein Faible für Wasser, fürs Meer hat, sollte einmal auf Deck eines Großseglers gestanden haben. Mit voll gesetzten Segeln und einem spürbaren Wind.

Es gibt kaum etwas so Majestätisches, etwas, was den Kräften des Meeres so gerecht wird und sie so ausgezeichnet nutzt, wie ein Großsegler.

Man muss nicht selber anfassen oder wissen, was man tut. Und nur einmal da draussen gewesen sein, das Rauschen des Winds in den Segeln gehört zu haben und das Gefühl unter den Füßen erlebt zu haben, wie es ist, das Meer zu reiten

Aus Lore Haack`s Buch stammt auch das nächste Bild. Einer von vier Belegungsplänen des russischen Schulschiffes Sedov.

Ich bin sie gesegelt. Als Trainee am Vormast. Und ich habe ein Seefahrtsbuch. Ich bin viele Großsegler gesegelt im Laufe meiner Jahre. Viele als Trainee, manche als Gast. So zum Beispiel die legandäre Seacloud, die nicht mehr fahren darf wegen der heutigen Sicherheitsstandards.

Ich habe nie mehr als den Ausschnitt der Belegung gelernt, dem ich zugeteilt war. Ich finde, die Zeichnung demonstriert, Was alles zusammen geschehen muss und wie viele Menschen daran beteiligt sein müssen, um umzubrassen, einen Kurs zu wechseln oder eine Wende zu fahren.

Schiffszeit

Es ist Nacht, mein Freund.
Jene Art Nacht:
deren Himmel dich umhüllen
wie tiefblauer Samt.
Deren Sterne funkeln
wie Splitter von Eis.
Die mit Sternschnuppen
nach dir wirft
und deren Dunkelheit
nichts zulässt,
außer dir und ihr.
Es ist Sturm, mein Freund.
Jener Sturm:
der in warmen Wellen kommt.
Der mit gierigen Händen
deinen Körper erforscht.
Der dir schmeichelt
und dich verlacht.
Der mit dir spielt
und dich ganz nimmt,
bis nicht mehr existiert,
außer dir und ihm.
Es ist raue See, mein Freund.
Jene See:
deren Wogen gischtgekrönt
zu den Sternen wollen.

In deren Tälern
dein Mut versinkt
wie ein Stein.
Die das Gesicht dir leckt
mit salziger Zunge.
Deren Toben dein Herz
in Bann schlägt,
bis es nichts mehr gibt,
außer dir und ihr.
Die Lady reitet den Sturm,
mein Freund.
Mit knarrenden Masten
und bebenden Decks.
Sie träumt die Nacht,sie tanzt mit der See.
Die Flossen ihrer Gefährten
durchschneiden schweigend
die Gischt an ihren Flanken.
Wenn sie die Tiefen verlassen,
um im Sternlicht zu baden.
Es ist Zeit, mein Freund.
Die Hände zu lösen
vom rauen Halt
und deine Augen


empor zu wenden zu den Rahen,
zu den Schatten der Segel
unter dem Mond.
Dich loszulassen
und dich ihr ganz zu geben,
bis da nichts mehr ist,
zwischen dir und ihr.
Und du erkennst:
das du den Himmeln näher
niemals sein kannst.

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