All das Licht, das wir nicht sehen

… ist der Titel eines Buches, das ich gerade lese. Über das Buch kann ich euch nach den ersten Seiten nur sagen, dass ich es lieben werde. Es hat diese Sprachmelodie, die mich immer weiter zieht. Es ist ein Kriegsgeschichte, was es sonst noch wird, weiß ich nicht.

Klausbernd in im fabfour Blog beginnt seinen Ukraine Artikel heute früh mit einem Brecht Zitat aus „An die Nachgeborenen“. Ich erweitere das Zitat um einige Zeilen.

“Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!

Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn
Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende
Hat die furchtbare Nachricht
Nur noch nicht empfangen.

Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!“

Können wir über den Frühling und den Alltag bloggen, als sei nichts geschehen? Bleibt uns nicht das Wort in der Kehle stecken? Was uns gerade noch so wichtig war, verblasst es zu Belanglosem?

Blog für Blog, Nachricht für Nachricht, Stunde um Stunde wird das Unglaubliche wahrer. Und anders als zu Pandemiebeginn ist mein vorherrschendes Gefühl nicht Bedrohung, sondern Wut. Danke an alle Analysten, die uns erklären, welche falsche Einschätzung von wem zu diesem Krieg geführt hat. Es hätte einfach nicht geschehen dürfen, dass ganze Städte niedergebombt werden.

Nach 2000 Jahren blutiger Kriegsgeschichte in Europa herrscht seit über 75 Jahren Frieden. Nur ein kurzer Atemzug. Dafür gab es für Europa einmal einen Friedensnobelpreis. Und jetzt wird aufgerüstet. Was geschieht, spiegelt meine Wut und die so vieler anderer.

Zurück zu Brecht:

„Ich wäre gerne auch weise
In den alten Büchern steht, was weise ist:
Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit
Ohne Furcht verbringen
Auch ohne Gewalt auskommen
Böses mit Gutem vergelten
Seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen
Gilt für weise.
Alles das kann ich nicht:
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!“

Und doch ist da Licht. Es ist Licht in der Hilfsbereitschaft und der Solidarität, es ist Licht in der Gemeinsamkeit des Handelns. Es ist Licht in den Osterglocken und Rosenknospen. In einem Scherz, in einem Lachen, in, in einem neuen Song, in einer Geschichte, in der Rückkehr der Stare. Und es ist erlaubt und erforderlich, es zu sehen. Es bedeutet Hoffnung. Es bedeutet Kraft. Wir sollten darüber bloggen.

4 Gedanken zu „All das Licht, das wir nicht sehen

  1. Liebe Ola
    Habe herzlichen <3 Dank, dass du unsere Post erwähnst. Ganz lieb von dir.
    Mit den besten Grüßen vom sonnigen Meer
    The Fab Four of Cley
    🙂 🙂 🙂 🙂

  2. Ich glaube, das hab ich von dir. Hast du nicht neulich ein neueres rezensiert? Ich hab dann mit dem früheren angefangen. Konnte es gestern Nicht nicht aus der Hand legen. LG Ola

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