Kleine, versteckte Sensationen

Einige Kilometer fährt man schon. Aber das lohnt sich. In einem winzigen Ort an einem recht kleinen Fluss – dennoch seenah genug, um die Gezeiten zu bemerken, finden sich zwei wundervolle Entdeckungen.

Hier gibt es es eine der letzten Schwebefähren der Welt. Neun davon listet Wikipedia noch auf. Zwei in Deutschland, die in Rendsburg wurde in den letzten Jahren demontiert. Statt der anvisierten, zu teuren Drehbrücke über den kleinen, gezeitenbeeinflussten Fluss beschloss die Gemeinde 1899 den Bau einer Schwebefähre, die ausreichend Platz bieten sollte für zwei gekoppelte Fuhrwerke und 25 Personen. Dazu sollen vollbemastete Segelschiffe darunter fahren können – gezeitenunabhängig. Dabei errechnete sich eine lichte Höhe von 21 Metern. Die Einweihung fand am 1. Oktober 1909 statt.

Erst 1974 wurde sie durch eine Brücke für die Bundesstraße überflüssig. Das Land zahlte schließlich 1,1 Millionen EUR für den Erhalt und die Renovierung. Heute fährt sie nur noch in den Sommermonaten ein paar Mal pro Tag.

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Die zweite wunderbare Entdeckung ist die St. Petri Kirche im Ort. Die von außen unscheinbare Kirche ist sowohl baulich als auch im Innenbereich etwas Besonders. Die 1748 eingeweihte Kirche wurde in der in den Marschen typischen Art auf Spickpfählen errichtet. Hunderte Holzpfähle werden als Fundament dicht nebeneinander in den Boden „gespickt“, um das Kirchengerüst in dem weichen Boden zu tragen.

Die Kirche wurde als Saalbau ohne Säulen gestaltet, um den Inneneindruck nicht zu behindern. Diese schwebende Konstruktion beruhte damals nur auf den Erfahrungen des Baumeisters, nicht auf Berechnungen. Als die Außenwände begannen, sich nach außen zu biegen, wurde der untere Teil durch Eisenbänder verstärkt.

Im Innenbereich ist die Kirche reines, weißes Rokoko. Diese Weiß/grau/hellblau Gestaltung findet sich in einigen Kirchen des Nordens. Die hellblaue Decke mit den Rocaille Strukturen im Muschel Look zeigt das himmlische Blau. Holzbänke und Priechen sind hellblau und weiß gestrichen. Priechen waren besondere Plätze für den Adel und reiche Bauern, die dafür bezahlt hatten.

Der zehn Meter hohe Altar mit den beiden kindergroßen Engeln ist komplett handgeschnitzt. Eine weitere Besonderheit ist der große moderne Taufengel, der aus einer kroatischen Weinpresse geschnitzt wurde. Er ersetzt den historischen Taufengel, der konserviert, aber nicht restauriert werden konnte.

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Jetzt haben wir und die Hunde eine Erfrischung verdient. Am Elbestrand treffen die Hunde viele Freunde und wir lassen uns in die tiefen Sessel fallen und geniessen den vorbeiziehenden Schiffsverkehr.

4 Gedanken zu „Kleine, versteckte Sensationen

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