Unter Menschen

Unser Urlaubsdomizil liegt einsam. Der Besuch des 12 km entfernten Supermarkts folgt dem bekannten Hygieneritual. Aber dann wollen wir doch einmal zwei Abstecher in Städtische machen und wagen uns unter Menschen. Ein merkwürdiges Gefühl.

Schon bei der E-Bike Anmietung in Cuxhaven stehen wir auf dem engen, kleinen Hof mit 10 Personen. Maskenfreies Personal. Abstandslose Erklärungen am Bike. Leichtes Unbehagen. Auch beim Schreiben erstaunlich wie sonst völlig ungenutzte Wörter wie abstandslos und maskenfrei aus der Tastatur fließen.

Am Strand bei Flut toben kreischende Kindermassen im Wasser. NRW hat Ferienbeginn und hier oben ist der Tourismus voll ausgebrochen. Selbst der Fahrradweg ist viel zu voll. Bei Rücksichtnahme auf Fußgänger und Kinderwägen üben wir Anhalten und Losfahren, bis wir es wirklich gut können und verlassen den Deich.

Zurück in der Stadt radeln wir an den Häfen entlang. Wir ergattern bei den ersten Regentropfen einen Platz im Fischrestaurant. Draußen unterm Schirm. Büsumer Scholle und Matjes mit Bratkartoffeln. Wir tauschen Worte mit den Tischnachbarn, die Sonne kommt wieder. Ist fast alles wie immer, fühlt sich aber irgendwie auch fremd an. Und ein wenig wie Glück.

Menschenansammlungen mochte ich noch nie, aber doch scheine ich noch einmal scheuer geworden zu sein. Trotzdem freut es mich, den Menschen beim Genießen zu beobachten. Denn das tun hier gerade alle. Es ist Sommer, die Inzidenz tendiert hier gegen Null, viele – wie wir auch – sind geimpft. Eine kleine Weile fast vergessene Freiheiten genießen, mitnehmen, was geht. Denn dass wir fertig sind mit dieser Pandemie, das glauben wohl nur wenige.

Immer so nah wie möglich am Wasser entlang radeln wir durch den Fischereihafen, durch die Industriehäfen. Gleich nach der Monsteranlage für die Verschiffung von Windradteilen sind wir übergangslos wieder mitten im Land. Wiesen, Schafe, Möwen, ein kleiner Hafen. Ein kleines Cafe. Wir nehmen den Milchkaffee mit auf die Bank am Deich, da die Terrasse voll ist. Hier sind wir richtig zum Seele baumeln lassen.

Am nächsten Tag geht es landeinwärts wieder Richtung Elbe. Auch hier ist ein wenig Trubel. Aber nicht so wie am Meer. Wasser gibt es hier auch genug. Stade ist wirklich pittoresk. Auf dem Hauptplatz ist Markt. Masken überall. Aber in der Altstadt wird es entspannter. Am Fischmarkt wieder Stadtführungen. Es ist friedlich am Fleet zu sitzen und das Geschehen an sich vorüber ziehen zu lassen. Menschen gucken. Irgendwie sind wir auch ganz unter uns, wenn man so den Altersdurchschnitt beobachtet. Alles Geimpfte.

Shoppen in meiner Urlaubsboutique natürlich mit Maske. Drinnen ist es eng. Aber die Leute sind anders. Man schwatzt miteinander, lächelt sich über der Maske an. Bewundert die Einkäufe, unterhält sich über die Männer, die draußen im Cafe warten. Ein süßer „schicke Kleider für alte Frauen-Laden“ mit reichlich Tüdelkram und Retrodings in Silber und Naturholz. Wohlfühlen.

Ein Urlaub von der Pandemie. Luxus.

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