Vom Aussterben bedroht: der Mumpitz

Das Thema geht auch gerade einmal wieder durch die sozialen Medien, und auch ich kann nicht widerstehen.

Ich schreibe gerade an einer Fantasy Kurzgeschichte, genauer gesagt an einer Trilogie. Aber das tut ja gar nichts zur Sache. Mir fiel auf, dass ich hin und wieder ein Wort niederschreiben wollte und mir dann der Finger über der Tastatur stoppte, weil ich dachte: „Das kannst du nicht machen, dann wissen gleich alle, dass du achtzig bist“. Bin ich noch nicht. Aber es gibt Wörter, die alt machen. Schade eigentlich. Gehören doch etliche dazu, die die Sprache um wundervolle Lautmalereien bereichern. Beginnen wir mal mit ein paar offensichtlichen, die wir alle kennen, aber die wohl keiner von euch in einem Drabble verwenden würde. Mächtig schade eigentlich.

Kuddelmuddel z.B. sagt doch genau das, was es eben ist, oder? Ich habe mal versucht, eine KI dieses Wort visualisieren zu lassen, wobei – wie eigentlich erwartet – nichts herauskam, was irgendwie damit zu tun hätte. Machen wir weiter mit Mumpitz und Brimborium. Das erste lässt sich klasse mit der entsprechenden Verachtung aussprechen, vielleicht sogar am Ende leicht durch die Zähne zischend. Zu Brimborium gibt es sogar einige Synonyme wie Larifari, Tamtam, Gedöns … Und doch, wenn man darüber nachfühlt, sind sie alle doch etwas verschieden. Das sind keine Kinkerlitzchen, diese Unterschiede. Das darf man nicht einfach als Humbug abtun.

Würdet ihr nicht auch annehmen, dass die Beschreibung, die neue Freundin des Sohnes sei führwahr eine Augenweide , wohl vom Großvater aus dem Seniorenheim stammt? Zur aussterbenden Art gehört leider auch das wundervolle Wort des gestrigen Tages von der Wildgans: saumselig. Ich finde es absolut hanebüchen, solche Wörter, die wie kleine Sektperlen aus dem Mund fließen, flugs auszutauschen durch unersprießliche Flachausdrücke.

Manchmal fehlen mir die Worte. Eigentlich würde ich dann gerne die Wörter: mitnichten, einstweilen, derweil oder einerlei verwenden, aber das wäre nun so gar nicht up-to-date oder state-of-the-art. Also hören wir mit dem Firlefanz auf, flanieren wir lieber am See entlang und überlegen uns, wen von unseren Bloggerfreunden wir als Nächstes mit einem verzückten Kommentar bauchpinseln.

Ein Beitrag ohne Bild.

2 Gedanken zu „Vom Aussterben bedroht: der Mumpitz

  1. Ich bin noch lange nicht 80, liebe solche Wörter, benutze sie beim Schreiben wie beim Sprechen und freue mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich an jemanden geraten, bei dem solche Wörter gut ankommen. Es muss sie ja nicht gleich verzücken, ein wenig Freude reicht ja schon.

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