All das andere und ich und der Sonnenuntergang vom 20_3_22

Übers Bloggen an sich nachzudenken und über seinen eigenen Blog – das scheint gerade wieder umzugehen. Auch ich bin seltsam unlustig, vergesse die Kamera daheim, stapfe gesenkten Kopfes durch die nun erneut durchgeweichten Lehmwege und weiß nicht so recht.

Gerade finde ich überhaupt keine tapfere Einstellung zu all dem, was um mich herum und mit mir geschieht. Wo bleiben eigentlich die guten Nachrichten?

OK, die Sonne scheint und Google teilt mir mit Hilfe meines 4 Jahre alten Fotos mit, dass exakt heute auch schon mal 10 cm Schnee im Garten lagen. Kein Grund also darüber zu lamentieren, dass es nicht schnell genug geht mit dem Frühling. Es ist ja noch nicht einmal Frühling! Und wenn es grün und schön wäre da draußen, so empfände ich es wahrscheinlich als unangemessen angesichts der Gesamtlage.

Gestern Abend habe ich mich um die Nachrichten herum gedrückt und es heute früh als erstes nachgeholt. Als würde irgend etwas davon besser, wenn man mitleidet. Mein Körper tut das, was er immer tut, wenn mein Kopf aus der Spur ist: er macht mit beim aus der Spur sein. Zu müde für lange Hundespaziergänge, zu viel Rückenschmerzen für Gartenarbeit und wenn es nach meiner laufenden Nase geht, machen alle Hausstaubmilben gerade Frühjahrsparty.

Ich würde mich gerne mehr bewegen, das hilft oft ein wenig. Aber ins Sportstudio? Die Geräte stehen alle wieder dicht an dicht und ob der Schnaufer neben mir nun trotz Erkältung oder trotz Corona zum Training muss, weiß kein Mensch. Lohnt sich das Risiko? Weiß ich auch nicht so recht.

Gerade weiß ich total wenig. Gestern habe ich ein Brot beim Backen verbrannt. Rumgedaddelt, nicht aufgepasst. Und für den Kuchen war nicht genug Kuchen-Mehl da. Das haben all die Blödis gehortet. Echt jetzt, sagt mir nicht, einer von euch hätte auch…?

Zum Glück habe ich einen völlig unpolitischen und unphilosophischen Fotoblog und so werde ich also Schönes posten, wenn es mir begegnet und wenn ich es auch sehe. Ansonsten versuche ich täglich, mir in den Hintern zu treten.

Manchmal hilft auch Adrenalin. Unser Gartenparadies liegt mitten in der Stadt (arrgh – gerade haben wir jemanden aus NY in der Gästewohnung, der hält das hier fürs Landleben pur, na ja). Als wir heute frühstückten, lief jemand direkt an unserem Fenster vorbei durch den Hof. Der muss hinten im Garten über die 1,80 hohe Sichtschutzwand gestiegen sein, öffnete in aller Ruhe das innere Gartentor und wurde erst etwas schneller als mein Mann ihn aus der Haustür raus anbrüllte. Da riss er das Hoftor auf und verschwand. Leider war Dogge Paul noch im Erholungsschlaf nach dem Spaziergang. Ist schon gruselig.

Apropos New Yorker: Der hat seine ukrainische Freundin und seine 16 Monate alte Tochter von der polnischen Grenze abgeholt und ist jetzt in Frankfurt gestrandet. Mit einer Vorgangsnummer der US Botschaft. Nach 7 Tagen und 3 Hotels wohnt die Familie nun erst einmal in unserer neu eingerichteten Gästewohnung. Ehe es zu Missverständnissen kommt: Sie zahlen Miete. Im Gegensatz zur ukrainischen Währung werden Dollar von den Banken noch angenommen. Sollte man meinen. Aber so einfach ist das nicht. Ohne Konto kein Geldumtausch. Ich weiß nicht, wie er das gelöst hat, aber er hat. Wir haben nur eine Küchenerstausstattung beigesteuert und uns um einen Kinderwagen gekümmert. Als ich den in unserer FB Ortsgruppe nachgefragt habe, hätte ich innerhalb von einer Stunde einen schwunghaften Handel mit Kinderwägen aufmachen können. Die Hilfsbereitschaft ist riesengroß.

Der Sonntag endete nun mit einem versöhnlichen Sonnenuntergang ( Radarstation der Deutschen Flugsicherung). Und während ich das schreibe, habe ich das Ende meiner ebay Versteigerung verpasst. Blöd im Kopf. Immer woanders. Kein Focus. Zu viele Wellen, um den Horizont zu sehen.

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