Die Eichen von 1744

Im Wald an der Lettkaut stehen viele mächtige alte Eichen. Bei einigen hat man sich die Mühe gemacht, ihre Geschichte bis zu ihrer Entstehung zu verfolgen und ihnen ein Alterssschild gegeben. Ein paar stehen als Naturdenkmal unter Schutz. Andere – nicht minder eindrucksvoll – sind nicht gefeit, wenn sie der Forstwirtschaft im Wege stehen sollten. Verwertbar sind diese 277 Jahre alten Riesen nicht. Und wer wollte seine Säge an einen Baum legen, der so viel gesehen hat. Allerdings mussten einige Äste, die alterschwach waren, zum Wohle der Waldspaziergänger abgesägt werden.

Man trifft sich unter diesen Riesen. Fühlt sich behütet und mit dem Land und seiner Geschichte verbunden.

Als dieser Baum seine ersten zarten Äste aus dem Boden reckte, standen sich im Rhein-Main Gebiet französische und österreichische Truppen gegenüber im Zuge der österreichischen Erbfolge Kriege. Es herrschten die Grafen von Isenburg-Philipseich, genauer gesagt Christian Karl. Die Gegend hier war ein Flickenteppich verschiedener Herrscher, denen die Städte tributpflichtig waren. Um diese jungen Eichen herum dürften einfache Menschen gelebt haben, in kargen Häusern, meist mit Landwirtschaft und Vieh beschäftigt. Mit einer hohen Kinderzahl, da mehr als 1/3 in den ersten 10 Jahren verstarb. Hygiene gab es damals nicht. Wasser war verdächtig, wurde höchstens zum Reinigen der Kleider verwendet.

Und so wuchsen diese Bäume auf einem Stück nicht beackerten Boden, bildeten einen Wald, der zu allen Zeiten der Jagd diente, überstanden Dutzende von Kriegen, trotzten dem Wandel der Landschaft und den klimatischen Veränderungen. Und wuchsen hoch in den Himmel.

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