Die Insel: Als Lisbeth das Fahrrad fand

Heute ist es kühl und Lisbeth hat die roten Handschuhe angezogen und die Gummistiefel, die sie in einem der leeren Häuser gefunden hat. Da die Stiefel mindestens eine Nummer zu groß sind, hat sie sie auf zwei Seiten aufgeschnitten und sie um Knöchel und Wade mit den Stoffstreifen, die sie aus ihrem zweitbesten Kleid geschnitten hat, das sie zerrissen hat, fest umwickelt, so dass es eine ganz neue Art Wanderstiefel entstanden ist. Sie findet das ziemlich schlau. Und sie haben immerhin trocken über die zwei Hügel links gebracht.

Kurz nach der dritten Anhöhe findet Lisbeth das Fahrrad. Sie ist baff. Es liegt etwas versteckt hinter einem dornigen Busch. Es ist nur ganz wenig verrostet, die Reifen laufen bei der schnellen Inspektion frei, der Sattel ist verrottet, aber der Lenker nur ein bisschen schief. Sie hat in den letzten Jahren Schlimmeres repariert. Und da ist sogar eine Klingel! Sie stellt sich vor, wie sie stolz und aufrecht auf dem Sattel sitzend die einzige Straße hinunter rollt: vom kaputten Leuchtturm an Pastor‘s Kirche vorbei hinunter zum Hafen. Immer schneller! Die Haare würde sie offen lassen, so dass sie hinterherfliegen konnten und vielleicht konnte sie sogar freihändig fahren. Sie kann jetzt schon spüren, wie der Wind an ihren Haaren zerrt und wie sie lächeln würde. Das würde sein, wie davon zu fliegen. Immerhin fast einen ganzen köstlichen Kilometer lang. Sie wird es dann wie beiläufig an die Hafenmauer abstellen. Raufschieben würde sie es erst, wenn es dunkel geworden war. Und am nächsten Tag gegen Mittag wieder hinunter rollen. Bleibt nur noch das Gefährt über drei steinige Hügel bis nach Hause zu schaffen.

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