Die Insel: Oke regt sich auf

Abends in der Kirche: die Frauen, betroffen von den Verlusten von Fisch, Huhn und Milch sind geradezu empört als der Pastor ihnen in Seelenruhe ihre These darlegt, dass ein Brollachan im Spiel sein könnte. Neve hält sich zurück. Lovely und Lisbeth sind kurz davor auszurasten ob des Unsinns, der ihnen da präsentiert wurde. Joshua, in seiner Rolle als Dämonenexperte, hat inzwischen seine Angst abgelegt. „Es ist kein Windawisch“, erklärt er. „Der nervt nur und macht Ärger und es freut ihn, die Leute wütend zu machen, so hat mein Vater es erzählt. Der hier ist böse. Er will in uns reinkriechen. Man darf nie stehen bleiben, sonst kriegt er einen.“ Auf Katys Armen kriecht Gänsehaut empor. „Joshua“, mahnt Neve, „du machst allen Angst.“

Pastor Jamie hat derweil recherchiert. Nicht im Kirchenarchiv, das mehr als mager ist, sondern in seinem Gedächtnis. „Callum“, fragt er, „erinnerst du dich an diesen Lehrer, der jahrelang hier Urlaub machte, aber nie fischen wollte? Er lief immer mit einer Kladde herum und sprach mit den Alten im Dorf. Er sagte, er wäre Historiker und Lehrer und wolle gälische Mythen und Geschichten aufzeichnen, die nur noch mündlich weiter gereicht würden.“ „Ah“, sagt Callum mit einem Unterton von Ekel in der Stimme, „das war der mit den karierten Hosen, oder?“ Lisbeth grient. „Der ist hier auf der Insel gestorben“, verkündet der Pastor. „Ich habe ihn beerdigt. Ganz sicher. Weiß jemand, wo er gewohnt hat?“ Niemand sieht aus, als ginge ihm ein Licht auf. Der Pastor seufzt. „Da werden wir wohl suchen müssen.“

Dann ist es Zeit für Schadensbegrenzung. Lisbeth und Liam werden zum Suchteam erklärt. Die Kinder dürfen nicht mehr allein unterwegs sein. Die Hühner und Ziegen bleiben im Stall. Und morgen Abend sehen sie sich alle wieder.

Lisbeth und Liam haben keine Probleme, das Haus zu finden. Das Arbeitszimmer ist geradezu grauenhaft ordentlich, wenn auch mit einer dicken Schicht Staub bedeckt. Die Bücher über Mythen und Sagen im Regal sind arg zerlesen. Daneben die Kladde, ordentlich mit einer kleinen, feinen Schrift Seite für Seite beschrieben und durchnummeriert.

Und doch schien der Lehrer zwei Seiten gehabt zu haben. Die Wände des Zimmers waren übersät mit Bleistift- und Kohlezeichnungen von Monstern und Dämonen. „Das grenzt ja wohl an Besessenheit“, murmelt Lisbeth. „Sieht für dich irgendwas wie der Brollachan aus?“ „Ehrlich“, antwortet Liam, „dies sieht mir eher aus, als hätte ein Kind alle seine schlechten Träume aufgemalt. Und nein, ich habe dieses Vieh nie gesehen, nur gehört. Aber glaub mir Lisbeth, da ist irgend etwas und es fühlt sich an, als sollten wir es dringend los werden.“ Wieder daheim, beginnen sie zu lesen. Irgendwann reißt Lisbeth die Kladde einfach in zwei Teile und reicht einen Liam herüber: „wir suchen nur nach Brollachan Geschichten, ok? Die anderen Alpträume können wir uns später antun.“

Sie lesen bis spät in die Dämmerung. Als Lisbeth aufsteht, um das Licht anzuknipsen, ertönt ein schreckliches Kreischen. Sie sehen sich in Panik an und schweigen, bis das Geräusch wieder ertönt. Sie laufen vors Haus. Und sehen in den Lüften Oke, der sich laut schreiend immer wieder und wieder auf etwas Unsichtbares stürzt. Der Rabe ist wie von Sinnen, es ist ein beängstigendes Schauspiel. „Lass uns reingehen“, murmelt Lis. Sie sind froh, als der Pastor aus dem Garten heimkommt und beginnt, das Essen zu machen. „Wir haben etwas gefunden“, sagt Lis beim Essen. „Wir erklären es, wenn wir uns gleich alle sehen.“

7 Gedanken zu „Die Insel: Oke regt sich auf

  1. Liebe Ola, ich habe vorhin gesehen, dass du mir einen langen Kommentar geschrieben hast, aber dann war er plötzlich verschwunden, ich bin untröstlich, magst du mir sagen wo du kommentiert hast, ich finde ihn einfach nicht mehr 🙁
    liebe Grüße
    Ulli

        1. 😅Ich bin ja schon froh, dass du nicht gefragt hast, was ich denn geschrieben habe. Aber es war ein guter Kommentar: eloquent, engagiert, warmherzig und hatte eben alles, was ein guter Kommentar so braucht. Hach 😇😇😇wie gut des er wech ist….

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