Eine Schiffsladung voller Träume

Die Nacht am Steinkreis scheint alle beflügelt zu haben. Plötzlich wollen alle, dass aus ihren Träumen Wirklichkeit wird. Als sie Abends in der Kirche zusammen sitzen, übertreffen sie einander mit den Vorschlägen. Bis sie lachen müssen: da liegt ein Berg voller Arbeit vor ihnen. Der nur nach und nach abgearbeitet werden kann. Wo also beginnen?

Pal und Callum wollen endlich die Wasserversorgung in Ordnung bringen. Nur ist das alte hochliegende Reservoir zerstört worden – niemand weiß wann oder wieso – es muss abgedichtet werden und man braucht zusätzlich Pumpen. Eigentlich was für Spezialisten. Sie diskutieren, wen sie fragen können und beschliessen Tev Truth darum zu bitten, ihnen einen Spezialisten zu suchen und zu schicken.

Tante Lovely will den Hafen Pub wieder eröffnen. Da der Dampfer jetzt immer eine Nacht an der Kaimauer liegt, gibt es definitiv eine Nachfrage nach Unterhaltung und Übernachtung. Und seit kurzem kommen auch wieder einige Segler und fragen nach Proviant. Ein paar Bed&Breakfast Zimmer im Obergeschoss, dazu der Pub… Lovely ist sicher, dass sich das für sie lohnen würde.

Struadh ist ganz aufgeregt, seitdem sie im Tal waren. Er will die Hirschrudel hegen: den Bestand etwas verringern und gesünder machen. Wenn es nötig ist, im Winter Wildfutter zufüttern und dann beginnen Wildfleisch zu verkaufen. Das ist auf den Inseln kostbares Gut und wird sicher seine Abnehmer finden. Und das abgeschlossene Tal ist perfekt dafür. Und die Natur im Tal könnte sich erholen.

Tante Lovely ist begeistert. Sie sieht sich schon mit Tellern voller Hirschragout durch den Pub balancieren.

Der Pastor und Lis machen sich Gedanken über die Kinder. Noch zwei, drei Jahre mag es genügen, wenn der Pastor den Schulstoff vermittelt, doch was wollen die Kinder einmal werden? Liam wird ganz gewiss Ingenieur werden. Niemand weiß, ob es auf dem Festland wieder geregelte Ausbildungen gibt. Und lieber würden sie ihn auf den Inseln behalten. Katy wird ganz sicher eine gute Lehrerin – nur gibt es hier bis auf die Zwillinge keine Kinder. Und Joshua? Joshua will ein Kapitän werden. Aber er ist der jüngste und es hat noch eine Weile Zeit. Bis dahin ist er bei Callum und Tev Truth bestens aufgehoben.

Am heftigsten diskutieren sie darüber, ob es weitere Inselbewohner geben sollte. Dabei ist ihnen klar, dass das wahrscheinlich nicht in ihrer Hand liegt. Irgendwann würde eine wieder erstarkte Administration auf dem Festland sich der Inseln erinnern und ihrer eigenmächtigen Selbstverwaltung ein Ende setzen. Was ihnen aber allen nach der Nacht im Steinkreis klar ist: sie werden immer eine Gemeinschaft sein, ein innerer Kreis, ihrer aller Geschicke würden voneinander abhängen.

Sollen die Stürme doch kommen. Sie haben einander. Und die Insel.

So wie sie geworden sind…

Sie sagen gerne, dass die Insel sie verändert hat. Was jedoch viel eher wahr ist, ist das der Vorfall sie verändert hat. Wie jede Katastrophe die Menschen verändert, die übrig bleiben. Da bleibt bei jedem dieses Stück Schuld für das Glück des eigenen Überlebens.

Der Pastor hat Demut gelernt. Einen Respekt vor dem Leben, den sein Glaube ihn nicht vermitteln konnte. Sein Lohn ist die immerwährende Freude an all den kleinen Dingen des Lebens, die Tag für Tag geschehen.

Callum der Einzelgänger, erfuhr, wie er seine innere Ruhe mit den Menschen in seiner Umgebung teilen kann und wie ihm das einen Platz in ihrer Mitte verschafft, der ihn immer noch beglückt. Und wie man sein Leben teilen kann. Mit dem einen, richtigen Menschen. Was fast zuviel des Glücks ist.

Pal, der ewige Rumtreiber, der so viel versucht hatte und nie etwas für sich gefunden hat: ein Sturm fegte das alles beiseite und zeigte ihm, wie einfach alles sein kann, wenn man findet, statt sucht.

Neve hat in Panik eine Entscheidung getroffen, von der sie dachte, dass sie sie sich niemals verzeihen könnte. Und sie ist daraus stärker hervor gegangen, als sie es jemals vorher war. Alle ihre zukünftigen Entscheidungen werden auf dieser seltenen Verbindung zum Universum basieren, die die Veränderung in ihr bewirkt hat.


Lisbeth war immer stark. Sie kann damit leben, dass die Welt gut und böse ist. Aufgeben zählt nicht. Irgendetwas geht immer.

Und Tante Lovely? Sie weiß nicht, was das Hüte tragen mit der Vorfall zu tun hat. Auf jeden Fall hat es ihr geholfen, als das Beten nicht taugte. Sie wird immer die sein, die sich kümmert. Was immer auch geschieht. Jetzt wartet sie auf einen steifbeinigen, grauen Mann. Sie wird ihm sagen, wann es an der Zeit an Land zu bleiben. Ehe es jemand anderes tut.

Für jeden von ihnen hat sich das Leben völlig verändert. Das neue, gemeinsame Leben – ob sie darauf hin gearbeitet haben? Ob es ihnen von der Insel geschenkt wurde? Sie spüren, dass da Kräfte am Werk waren, die nicht allein von ihnen ausgingen.
Sie haben zugelassen, dass das Seltsame der Insel von ihnen Besitz ergriff und sie sind gewillt, damit zu leben. Sich daran zu stärken. Unds es als Geschenk zu betrachten.

Die Kinder scheinen dies noch stärker zu fühlen als sie. Manchmal ist es, als würden sie mit der Insel verschmelzen. So können sie an einem Ort verschwinden, um an einem anderen wieder aufzutauchen. Wo sie pflanzen, gedeiht alles besser. Sie kommen von ihren Streifzügen immer mit reicher Beute zurück: Beeren, Kräuter, Krebse… Das Wetter ist freundlicher geworden, seitdem die Kinder auf der Insel sind.

Und niemanden wundert das mehr.

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