Kaffeehaus Philosophie

Noch ein wenig Kaffeehaus Philosophie. Heute stammt das „Gedicht“ zu den Café Fotos von Peter Altenberg. Hier ein Zitat aus einem „stern“ Artikel, den ich sehr empfehle ganz zu lesen – das macht einfach Spaß: hier.

„Die Zeit totschlagen? Für einige mag das zugetroffen haben, zumal für jene, die nicht als Schriftsteller in die Kaffeehäuser gingen, sondern Schriftsteller einzig und allein in Kaffeehäusern waren. Um dort Inspiration für Sozialstudien zu bekommen, Gelegenheitsliteratur zu verfassen, flüchtige Notizen zum Zeitvertreib. Typ Peter Altenberg, eigentlich Richard Engländer, noch ein Sohn eines jüdischen Kaufmanns, geboren 1859. Er war einer, den sie liebten, was sogar Karl Kraus gelang. Altenberg hatte sich vom Arzt Berufsunfähigkeit wegen „Überempfindlichkeit des Nervensystems“ attestieren lassen und saß seither im „Central“, wohin die „Griensteidl“-Besetzung nach dessen Abriss 1897 gewechselt war. Altenberg hatte Zeit, was zu den Voraussetzungen dieser Wiener Kaffeehaus-Kultur gehörte. Er war ein Schnorrer, hauste im Stundenhotel „London“, gab als Postadresse das „Central“ an, schrieb den Prostituierten Gedichte; und die Texte trugen Titel wie „Was der Tag mir zuträgt“.“

Du hast Sorgen, sei es diese, sei es jene
– – – ins Kaffeehaus!
Sie kann, aus irgend­einem, wenn auch
noch so plausiblen Grund, nicht zu dir kommen
– – – ins Kaffeehaus!
Du hast 400 Kronen Ge­halt und gibst 500 aus
– – – Kaffeehaus!
Du bist korrekt sparsam und gönnst dir nichts
– – – Kaffeehaus!
Du bist Be­amter und wärest gern Arzt geworden
– – – Kaffeehaus!
Du findest Keine, die dir paßt
– – – Kaffeehaus!
Du haßt und verachtest die Menschen
und kannst sie dennoch nicht missen
– – – Kaffeehaus!
Man kreditiert dir nirgends mehr
– – – Kaffeehaus
Du stehst in­nerlich vor dem Selbstmord
– – – Kaffee­haus!

Peter Altenberg

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