Von Blütenträumen, Trillerpfeifen und Gemengelagen

Mit „Floraler Blütenromantik“ und dem „Aufblühenden Frühling“ bewirbt mich heute Loberon und beim Obi vor der Tür stehen palettenweise Primeln und Stiefmütterchen, zitternd in Sturm und Hagel und frieren sich den A… ab. Fast hätte ich welche aus Mitleid mitgenommen. Nicht nur Weihnachten und Ostern finden im Handel immer früher statt, den Frühling hat es jetzt auch erwischt. Nicht mit mir. Ich sitze das Elend jetzt aus.

Immerhin gab es zwei Sonnenuntergänge fürs Gemüt und ich habe genug zu tun. Beim Wohnung einrichten nähern wir uns der Phase des Zusammenschraubens. Ich mag das: wenn unter dem Einsatz von Händen, Werkzeug und jeder Menge Hirnschmalz beim Entziffern der Anleitung langsam ein Möbel entsteht. Natürlich nur, wenns passt. Und das tat es heute. Nichts kaputt, die Löcher anständig vorgebohrt und immer eine Schraube extra. Stabil und schick das Möbel. Heute ein TV Bord, morgen ein Regal, übermorgen ein Bett. Es folgen Tische, Stühle, Hocker…

Im Baumarkt war wieder nichts von dem so da, wie wir es brauchten. Zurück zu Amazon. Sorry regionaler Handel. Gerne den Biomarkt, den Blumenladen und die Boutique vor Ort. Aber genau die richtige Schraube findet man besser online.

„Die Aluhüte laufen wieder“, vermeldet der Nachbar. Tatsächlich: Trommelmusik und Trillerpfeifen. Weihnachtsbeleuchtung, gelbe Westen und weiße Schäferhunde. Die Parolen kann ich leider nicht verstehen. Aber sie sehen alle total munter aus, muss Spaß machen. Genau die richtige Situation, um sich gegenseitig laut anzubrüllen. In ein paar Tagen werden 30% sich beim Chef für 10 Tage abmelden. Oder nicht? Gehen die einfach weiter arbeiten? Keine Ahnung. Ich kann nicht verstehen, was in deren Köpfen vorgeht. Ich hab es auch aufgegeben. Aber wahrscheinlich ist es so, dass die auch keineswegs alle das Gleiche meinen oder denken. Oder haben die das vorher genau ausdiskutiert? Vor allem sind sie alle dagegen.

Was mir echt Sorgen macht: Was machen die nach Corona? Wenn es als Grund fürs Dagegensein ausfällt? Was bedroht sie als Nächstes? Mann, wenn die alle gegen den Klimawandel auf die Straße gingen? Aber ich fürchte, das wird nicht hinhauen.

Gestern benutze ein Nachrichtensprecher auf einem der nicht ganz so großen Sender das Wort: Gemengelage. Keine Ahnung, um was es ging. Ich horchte nur auf. Ein wundervolles Wort. Es bezieht sich ursprünglich auf versprengt liegende Äcker in der Landwirtschaft, wird aber auch im übertragenen Sinne genutzt. Es gibt z.B. eine gesellschaftliche Gemengelage. Der Computer wirft „als häufig im Zusammenhang genannte Begriffe“ folgende aus: brisant, eigentümlich, vertrackt, kompliziert, undurchschaubar, verwirrend, verzwickt, gefährlich, komplex, unklar, unsicher, innenpolitisch ?, explosiv, ethnisch…

Eigentlich kann man also gar nichts nichts falsch machen, wenn man einen Schlamassel als Gemengelage bezeichnet. Oder ein Wirrwarr. Oder ein Kuddelmuddel. Oder die Pandemiepolitik.

Heute ist bei uns die „Lady of the Seas“ eingezogen. Eigentlich heißt die Statue auf der Strandpromenade von Westerland: Save our Seas. Diese Kopie wurde auf Sylt geschnitten und ist im Original Sylter Seewind gerostet. Jetzt hängt sie bei uns an der Wand und sorgt dafür, dass wir an keinem Tag das Meer vergessen. Und den Klimawandel und die Eisbären. Jetzt folgt wieder eine Serienempfehlung aus der ARD Mediathek: „Thin Ice“ ist ein Politik- und Ökothriller, der in Grönland spielt. Mal wieder was für die warme Jacke, wenn man vorm Fernseher sitzt. Und ein Eisbär, der Politiker fressen will, kommt auch vor. Der Gute!

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