Was macht man solchen 40 Grad-Tagen, die einen aus den Strassen der Stadt und dem offenen Land vertreiben in das Wohn-Büro mit Klimaanlage?
Aufräumen, Stöbern, Erinnern.
Mir fiel ein Stapel verblasster Analogfotos in die Hand: Afrika.
Es muss so ab 1990 gewesen sein, als wir das Afrika unterhalb des Äquators entdeckten. 10 Jahre lang haben wir jedes Jahr ein Stück unbekanntes Afrika hinzugefügt. Wir fuhren mit dem Allrad LKW tief ins Massailand, wir übernachteten in Zelten, vor denen nachts die Büffel standen und am Tag die Affen die Zahnpasta klauten. Wir schliefen in der trockenen Mara in einer Lodge, in der die Elefanten die Panoramafenster zertraten, um im Bad die Wasserleitungen aufzureißen und zu trinken. Von den Victoriafällen aus erkundeten wir die drei Länder rundherum auf eigene Faust. Wir leisteten uns eine Zeltlodge am Sambesi, um mit den Wissenschaftlern, die den fast ausgerotteten Hunting Dogs folgten, auf Tour zu gehen und das Rudel zu begleiten. Die schlafenden Elefanten auf der Insel, die uns fast erwischt hätten, weil wir in ihrem Weg standen, die Löwin mit ihren Jungen, die wir über dem Riss zu Fuß stellten. So viel Atem anhalten. Soviel Sundowner mit Blick auf die Ebenen voller Antilopen. So viele Duschen aus dem Eimer und lange Nächte am Feuer unter diesem Himmel, der mehr Sterne hat als irgendwo anders auf der Welt. Ganz bestimmt. Die Reifenpanne in der menschenlosen Namib, die Flusscamps in Manapool, die Schakale, die die frisch geborenen Robbenbays holten inmitten der Kolonie in Cape Cross, das schneeweiße Kudu. Wir sahen Kenia, Tansania, Malawi, Zambia, Zimbabwe, Botswana, Namibia. Damals konnte man die Toyota-Busse mit den Touristen noch mit etwas Geschick, guter Planung und einem entweder sehr rustikalen oder sehr teuren Reisestil umgehen. Was blieb, sind ein paar verblasste Analogfotos. Es gab natürlich mehr. Sie fielen wohl der Scheidung zum Opfer. Es braucht sie auch nicht. Vieles ist einfach unvergesslich.

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