So ein Sonntagmorgen…

Wenn ich meine Augen aufschlage, schaue ich in das vielfarbige Grün des Gartens und in den Himmel. Da rasen schon wieder weiße Wattewolken über den Himmel und lassen bald ein Stück Blau und bald ein Stück finsterstes Grau erspähen. Ich erwäge kurz zurück zu kehren in meinen Traum, da war es milder. Aber nicht unbedingt schöner. Es war ein traurig grauer Traum. Seit Tagen kann ich ein Kästner Gedicht nicht vergessen. Als ich es las, erschien es mir das Traurigste auf der Welt zu sein. Es ist ein stummes Gedicht irgendwie. So war auch mein Traum: grau und stumm und traurig und verloren wie Dauerrregen.

Sachliche Romanze

Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen: sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wußten nicht weiter.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Cafe am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend saßen sie immer noch dort.
Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.

Ich bin ein wenig müde nach all dieser Umzieherei. Diese Art Müdigkeit, die man mit Schlafen nicht bekämpfen kann. Daher vielleicht ein sachter Hang zu Melanchonischem. Energisch rufe ich den Wetterbericht auf, nur um gleich wieder in mich zusammen zu sinken. Ich versuche es mit einem zweiten . Und einem dritten. Nichts. Keine Aussicht auf Sommer bis weit in den Juni hinein.

Draußen macht sich beharrlich ein Stück Sonne breit und wir fahren mit den Hunden in den Wald. Da wars das schon wieder mit Sonne.

Im einzigen Sonnenstrahl, der sich durch die Bäume kämpft, finde ich ein paar Walderdbeeren, na ja, also Blüten, die mal Erdbeeren werden wollen. Jeder Windstoß übersprüht uns mit Tropfen aus dem noch nassen Blätterdach.

Daheim gibt es Markknochen für die Hunde und Waffelfrühstück für uns. Als ich mit der Speckpfanne in der Hand in die Outdoorküche eile, wird es plötzlich stockfinster. Eine Böe pustet mir fast die Gasflamme wieder aus. Und dann trommelt ein wütender Regen auf das Terrassendach.

Ich rette den Speck für die Speckwaffel mit Ahornsirup. Es geht aber auch konventioneller mit Quark und Kirschgrütze. Der Duft von frisch gebackenen Waffeln hat etwas ungeheuer Tröstendes.

Unschlüssig und eigentlich schon wieder müde, betrachte ich, wie der beste Mann aller Zeiten die Fahrräder lädt und entstaubt. Echt jetzt? So schnell kann kein Mensch die Regencapes auspacken…

Ich rette mich ins Wohnbüro zum Blogschreiben. Auf dem Schreibtisch ein Stapel unbezahlte Rechnungen und die To-do-Liste für nächste Woche. Auch nichts Erheiterndes hier. Mich fröstelts und ich erwäge ernsthaft 1. die Heizung hochzudrehen und 2. mir einen Schuss Erheiterndes in den Milchkaffe zu kippen.

Vielleicht versuche ich es noch mal mit dem Wetterbericht. So weit also zu hiesigen Wetterlage. Und zum Abschluss:

„Das Wetter ist zu wahr, um schön zu sein.“ Klaus Klages. Deutscher Gebrauchsphilosoph und Abreißkalenderverleger.

Habt einen schönen Sonntag!

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