Ein grauer Tag wie er besser nicht sein kann

Ein grauer Tag sagt sich laut Wetterbericht an. Juhu, kein Regen, was will man mehr. Es hält uns nicht im Haus. Der Wecker klingelt pünktlich zum Sonnenaufgang. Eigentlich erwarten wir gar keine Sonnen-Sichtung als wir in Richtung Rantum Becken laufen. Gänseschwärme ziehen in der Morgendämmerung lärmend über uns hinweg. Rechts Schafe, links Wuschelrinder, sanfter Nebel. Und dann doch, die Sonne kämpft sich aus einer Wolkenbank nach oben, um gleich wieder hinter einer Wolkenbank zu verschwinden.

Ohne Frühstück beschließen wir, mit den Hunden an einen Hunderennstrand zu fahren. Meint: so einer, der uns und den Hunden ganz alleine gehört. So etwas findet sich im Dünengebiet auf dem Weg nach List. Das ist diese hundertfach geflickte Ministraße, die in jedem Krimi vorkommt und die außer den Spaziergängern nie ein vernünftiger Mensch nehmen würde. Aber die Wanderdünen machen sich halt so toll im Bild.

Ein Strand ganz allein für uns. Paulchen findet einen alten Seemannsschuh und hat seine Freude. Ich finde eine Menge Treibholz fürs nächste Mobile. Nach dem Wind gestern gibt es einen ertragreichen Flutsaum von der Flut heute Nacht.

Dies ist der Strandgeist des ersten Inseltages.

Auch nach der Mittagspause bleibt es – wie versprochen – durchgängig grau. Wir genehmigen uns einen Nieselregenspaziergang bei Samoa Seepferdchen und schauen kurz im Hörnumer Hafen vorbei. Das letzte Adler Schiff läuft gerade ein und die Krabbenkutter sind noch beim entladen.

Jetzt schlägt der Hunger zu. Ohne mich länger in die endlose Diskussion über die Sylter Gastronomie einzulassen: wir essen bei Blum. Der alteingesessene Großhändler wartet mit drei Verkaufsläden und Fischbistros auf. Der Hauptsitz liegt gerade einen Kilometer vom Häuschen entfernt. Heute im Angebot Thunfisch aus Norwegen, Angelschellfisch vom Grill und natürlich alles andere, was mal Flossen hatte. Plus Hummer, Langusten, Garnelen, Salate, unübertroffene Bratkartoffeln, Dips und Saucen bis zum Abwinken. Das Publikum: bunt, aber eher bodenständig ebenso wie die schlichte Ausstattung, noch immer mit Corona Plastiktrennscheiben in eher willkürlicher Verteilung. Der Angelschellfisch vom Grill: eine Köstlichkeit.

Vorsorglich hat der Strandgeist des ersten Tages (mit Unterstützung meines Liebsten) eine Flasche Single Malt im Häuschen bereit gestellt. So muss ein Sylt Tag sein. Und plötzlich tut mir überhaupt nichts mehr weh.

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