Inselgeschichten XIV: Nachlese eines Sturmtags

Mit Windstärke 8 und wildem Wetter verabschiedet uns die Insel. Heute kann man am Strand dabei zusehen, wie der Wind Dünen baut. Wenn man denn die Augen überhaupt offen halten kann – der Sand treibt quer. Während wir uns den Strand entlang kämpfen, drehen die Hunde einfach um. Schlau.

Wir fahren auf die Spitze des Ellenbogens. An dieser Straße wurde noch vorgestern die Leiche in „Nord Nord Mord“ gefunden. Auf der Spitze des Ellenbogens schäumt es rundum. Auf der Wattseite Kabbelwasser, ein heulender Wind reißt Gischt hochsprühend von den Wellenkämmen. Die beiden Schwarzweiß Aufnahmen stammen vom Lister Hafen auf der Wattseite.

Wir retten uns zu Gosch, der immerhin einen kleinen Teil seines Imperiums noch geöffnet hat. Wie immer spaziert Papa Gosch mit seinen 80 Jahren persönlich und ohne Maske durch die Halle und verteilt weitere Wärmepilze – vorzugsweise an besonders verfröstelt aussehende junge Damen. Ich bekomm keinen, dafür aber einen Haufen Riesengarnelen vom heißen Grill und einen Grauburgunder aus der kalten Theke, gefolgt von einem schaumigen Latte Macchiato. Und schon ist die Welt wieder in Ordnung auf der Insel. Zurück im Häuschen waschen wir uns den Sand aus den Augen und es gibt eine Runde Augensalbe für die Hunde.

Für dieses Jahr heißt es wohl „Tschüss Insel“. Wir haben dieses Jahr noch so viel vor und ja, auch ein bisschen Urlaub ist noch geplant. Und ich habe mich auch zurück gehalten und nicht gleich für nächstes Jahr wieder gebucht. Wer weiß, was kommt. Aber ich muss es zugeben: hier oben im rauen Norden fühle ich mich zuhause. Es ist so lange her, seit ich Hamburg verlassen habe, aber heimisch fühle ich mich immer nur in Meeresnähe. Wenn der Wind nach Salz riecht und Schiffsdiesel und Fisch und die Bäume streng in eine Richtung wachsen. Und wenn „Moin“ immer genau das Richtige ist, wenn man mal was sagen will.

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