Liebeserklärung an die Racker

Meine Cavaliere, Max und Snoopy, sind meine 3. Hundegeneration. Eigentlich hatte ich immer große Hunde, mindestens zwei. Aber es war mir schon klar, dass ich mit diesen beiden alt werden würde. Also suchte ich nach einem praktischen Format, klein genug, um sie auch mal heben zu können und nicht zu klein, damit sie nicht den Pferden unter die Hufe kamen. Ein Glücksgriff. Wie man ganz klar sieht.

Es waren mega wilde Welpen, im Stall bald bekannt als die „Terroristas“. Sie wurden mit über 100 Pferden und ein paar Dutzend freilaufender Hunde jeder Art groß. Bei Hunden albsolute De-Eskalierer: der wildeste Schäferhund wird wieder zum Welpen, wenn die beiden schwanzwedelnd vor ihm stehen. Mit Menschen waren sie nach dem Erwachsen werden durch. Hunderttausende „oh wie süß“ und tatschende Hände waren fürs Leben genug. Sie beachten neue Menschen einfach nicht.

Es sind wirklich coole Socken, die alles mitmachen und – fast – nie nerven. Sie sind ständige Begleiter. Sie waren mit mir auf jedem Reitturnier und haben mir oft als einzige die Daumen gedrückt. Sie fahren mit in jeden Urlaub, sie erkunden mit uns alles Neue. Sie hören aufs Wort, auch wenn sie beide taub sind. Ständige Aufmerksamkeit und Handzeichen ersetzen die verbale Kommunikation. Das einzige, was sie jagen, sind Schmetterlinge.

Tatsächlich haben Cavaliere, die eigentlich Cavalier King Charles Spaniels heißen, ein Jagdgen, das auch mit Shnoopy ab und zu durchgeht. Aber nur ein par Meter weit. Denn es sind auch sehr gemütliche Kerle. Im Regen spazieren gehen ist z.B. tatsächlich nicht ihr Ding. Da bleiben sie lieber auf der Couch.

Eines muss man über Cavaliere wissen: Sie leben nicht auf dem Boden. Dafür sind sie viel zu königlich. Schließlich entstammen sie den Adelsgeschlecht der Schoßhunde von King Charles. Mäxchen z.B. frühstückt täglich mit uns, liest die Zeitung und diskutiert mit uns über die Lage der Welt. Den freien Stuhl hat sich sich ganz alleine ausgesucht.

Auch wenn man mal mit einem Problem alleine ist, setzt er sich gerne mit an den Tisch und hört dir geduldig zu. Und er hat sehr kluge Sachen zu sagen. Obwohl eigentlich Snoopy der Bücherleser ist. Sozusagen als Ausgleich zu seiner wilden Stöberei in Wald und Wiese braucht er häufig einen ruhigen Moment und zieht sich gerne auf seinen Sessel in der Bibliothek zurück.

Sie hatten auch echt viel Spaß an der Fotoserie, die ich für einen Kalender geschossen habe. Selbstverständlich war da – wie bei jedem Training – eine Menge Fleischwurst im Spiel. Sie lieben kleine Spiele und beherrschen eine Rolle seitwärts, ein Paar Schritte Dogdance, können rechts und links unterscheiden… ein wenig Unterhaltung für lange Winterabende und – neuerdings – für lange heiße indoor Tage mit über 30 Grad.

Wandern gehen kann man mit ihnen nicht mehr, sie sind jetzt 8 Jahre und Snoopy hatte von Beginn an eine Fehlstellung in den Vorderbeinen, die sich nun zu einer Arthrose entwickelt hat. Inzwischen ist er mit einer niedrigen Dosis auf einer Dauermedikation.

Da kommt etwas Unterhaltung durch den großen Bruder gerade recht. Mist, dass man von ihm ohne Anstrengung selten mehr als die langen Beine sieht. Inzwischen geht Paul sehr sanft mit den beiden Kleinen um. Zu Beginn ist er einfach über sie drüber gesprungen, wenn sie ihm im Weg waren. Das fand Max ausgesprochen respektlos und hat ihm das abgewöhnt. Schließlich ist Max der Chef. Ist zu köstlich zu beobachten, wie Max – mit seinem Knochen beschäftigt – Paul anknurrt, wenn der nur vorbei will. Paul weicht dann zurück und schaut uns hilfesuchend an. Könnt ihr da was machen? Können wir nicht. Da muss er durch.

Wann fahren wir wieder mal ans Meer?

Genau wie wir lieben sie die Nordsee im Winter. Da stimmt die Temperatur, der Sand knirscht wundervoll zwischen den Zehen und die angespülten, angegammelten Krabben sind eine Delikatesse. Das kracht so schön zwischen den Zähnen. Darauf warten wir alle das ganze Jahr, wenn es gut geht nur ein halbes.

Ich werde nie vergessen, wie mein Mann, als er das erste Mal morgens im Bett von den beiden begrüßt wurde, rief: Die sind ja wie die Kinder! Sind sie. Es liegt nicht nur an ihrem Aussehen, sondern an ihrem gesamten Wesen, dass man ihnen nicht widerstehen kann.

Die beiden sind wirklich keine Show Hunde. Ihr Fell und ihre Pfoten sind getrimmt, weil das unheimlich lange Haar eine Plage ist, wenn es heiß ist, wenn sie durch den Schnee oder einfach nur durch Wald und Feld stöbern. Schon so sammeln sie alles auf, was ihnen unterkommt. Kletten sind besonders beliebt und es verlangt schon eine ganze Serie im Fernsehen, um das wieder in Ordnung zu bringen. Und auch das halten sie geduldig aus. Natürlich gibt es auch dafür eine Belohnung. Ebenso wie Geschenke zu Weihnachten. Snoopys großes Interesse am weihnachtlichen Knuddeltier liegt allerdings nicht an seinem Hang zu Rentieren, sondern an dem Stück Wurst hinter der roten, großen Rentiernase.

Ich kann mir ein Leben ohne die beiden im Haus gar nicht vorstellen. Und ich hoffe, dass die beiden steinalt werden und ich jeden Tag in diese Gesichter sehen darf. Und bedanke mich hier offiziell für ihre Mitarbeit an diesem Kalenderprojekt, von dem ich hier gar nicht alle Bilder unterbringen kann.

4 Gedanken zu „Liebeserklärung an die Racker

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