Auf Tour – auf Spur

Ich bin unterwegs. Seit langen wieder einmal Richtung Ruhrgebiet. Als Kind verbrachte ich in Paar Jahre in Essen. Essen Haarzopf um genau zu sein. Zu gut erinnere ich mich an den Anblick der Kohlehalden und lodernden Schlote, wenn wir nachts vom Großvater aus Düsseldorf heim fuhren, an die Kohle, die vors Haus geliefert wurde und in den Keller geschaufelt, und an die Fensterbänke, die trotz täglich Reinigung immer einen schwarzen Schmierfilm hatten., an die Fördertürme, die überall aus der Erde ragten. Aber auch an den Ententeich und den Baldeneysee.

Diese Woche bin ich auf Spurensuche und werde mir ein paar der großen Industriedenkmäler in der Gegend ansehen. Mit den Augen eines Erwachsenen und in dem Wissen, dass diese Anlagen der Vergangenheit angehören. Sie sind allerdings immer noch beeindruckend und für mich als Rostliebhaber und Lost Place Fan geradezu unwiderstehlich.

Grube Georg, Willroth

Der erste Haltepunkt liegt direkt am Weg. Dutzende von Malen bin ich an dem Förderturm an der A3 in Höhe Willroth vorbei gefahren. Heute biege ich ab. Der Erzabbau in dieser Gegend hat eine Jahrhunderte lange Tradition. Als die Grube Georg 1965 geschlossen wurde, hatte sie etliche Modernisierungen hinter sich, war der größte Arbeitgeber in der Gegend und förderte mit an die 400 Mitarbeitern 740 Tagestonnen Erz aus 900 Meter Tiefe. Nicht profitabel genug, um mit den Weltmarktpreisen mitzuhalten.

Die Grube wurde fast komplett zurück gebaut. Übrig geblieben ist der noch relativ neue, aber rostende Förderturm mit der Hängebank in 25 Metern Höhe. Und alles wurde leider komplett leer geräumt

Es ist also definitiv ein „Abandoned Place“, der aber von einer Bürgerinitiative gepflegt wird. Nur deshalb sind auch Besichtigungen möglich. Jürgen Kalscheid ist selbst noch in die Grube Georg eingefahren. Heute leitet er Führungen und präsentiert Bildmaterial aus vergangenen Zeiten, das das Geschehen vor Ort wieder lebendig werden lässt. Er hat auch mir die folgenden Fotos möglich gemacht.

Lohnenswert ist der Aufstieg auch wegen des Ausblicks. Schwindelfrei sollte man allerdings sein.

Auf dem Förderturm

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Im Innern

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3 Gedanken zu „Auf Tour – auf Spur

  1. Beeindruckend!
    Ich bin zwar nicht aus der Gegend, sondern aus Bayern (München) aber ich kann mich auch an Kohle- bzw. Brikettlieferungen erinnern! Die wurden durchs Kellerfenster gekippt und ich musste sie aufschlichten. Das alles ohne Handschuhe und ich kann mich heute noch an das unangenehme Gefühl der Briketts an meinen Händen erinnern!

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