Die Insel: Das Seltsame

Ein totes Huhn erfordert Maßnahmen. Jedem ist klar, dass die Kinder damit nichts zu tun haben. Aber dennoch sind sie die einzige Spur zum Übeltäter. „Also Joshua“, begann der Pastor, „wie sieht dieses Ding, der der …“ „Windawisch“ flüstert Joshua. „Genau“, sagt der Pastor. „Wie sieht er aus?“ Joshua schweigt. „Katy, was ist mit dir?“ “ Ich kann ihn nicht wirklich sehen, ich sehe nur einen Schatten wie eine fette Schlange und er fliegt. Und Liam kann ihn nur hören. Er pfeifft und zischt, sagt er.“ „Er hat Krallen und Zähne und er ist böse, weil wir ihn geweckt haben“, nun mischt sich Joshua doch noch ein.

„Wieso habt ihr ihn denn geweckt?“ fragt der Pastor. „Und wenn ihr ihn geweckt habt, dann müsst ihr doch wissen, wo er schläft.“ „Liam greift ein: „Wir waren an dem Loch. Es tut mir leid, ich weiß, wir sollen da nicht spielen“. Das Loch ist immer nur ein Ärgernis gewesen. Auf dem Gelände von Richies Haus hatte jemand vor Urzeiten ein Loch gegraben. Niemand wusste für was. Ein Brunnen konnte es nicht sein, die Quelle lag zu nah. Und dann, eines Tages, auch vor Urzeiten, hatte jemand einen Ring um das Loch gemauert, dicke Holzbohlen darüber gelegt und die mit Felsgestein beschwert. Eine solide Konstruktion. Und eine sehr alte. Callum hatte einmal versucht, einen Blick hinein zu werfen. Es aber gleich wieder aufgegeben. Er hatte Besseres zu tun. „Man kann da hineinsehen“, sagte Katy. „Wir wollten nur wissen, was da unten ist.“

Callum, Pal und der Pastor bewaffnen sich mit Schaufel und Öllampe und machen sich auf den Weg. Und obwohl alles aus der Ferne aussieht wie immer, können sie beim Näherkommen erkennen, dass eine der alten Bohlen durchgefault ist. Callum stößt die Schaufel ein paar Mal hinein und das Holz splittert ganz leicht weiter auf. Pal hält die Öllampe hinein, aber der Grund ist nicht zu erkennen. „Wir brauchen ein Seil.“ Callum braucht eine Weile bis er zurück ist. Als sie die Lampe nun weiter hinunter lassen, entdecken sie auf dem Grund kleine Knochen, Fell und Federn. Und einen schwarz glänzenden Schleim, der auch Teile der Wand bedeckt. Er glitzert feucht im Schein der Lampe. „Das ist seltsam“, sagt Callum. „Selbst wenn wir hier ein kleines Raubtier hätten, es käme unmöglich hier hinein und wieder hinaus. Viel zu steil.“ Sie schweigen einen Moment. Die raschen Erklärungen sind ihnen gerade ausgegangen. „Wisst ihr was? Das hier machen wir einfach wieder zu.“ Callum seufzte: „Und ich stelle Fallen auf: bei den Hühnern, beim Fisch, bei den Ziegen. Da müssen die Kindern halt eine Weile vorsichtig sein.“

„Ich weiß nicht“ sagt Pastor Jamie. Er ist nachdenklich geworden. „Jemand hat dieses Loch gegraben, sogar in den Felsen gehauen, viel Arbeit. Wozu? Und hat es dann eines Tages wieder verschlossen. Fest. Sorgfältig. Wir haben immer gedacht, die ganze Konstruktion diene dazu, dass niemand hinein fällt. Was wäre, wenn etwas da drinnen festgehalten werden sollte?“ Pal gehen die Implikationen als erstem auf. „Ein Windawisch?“ fragt er, konnte aber nicht verhindern, dass Spott aus der Bemerkung heraus klang.“ „Ein Brollachan“, antwortet Callum ruhig. „Was soll das nun wieder sein?“ „Eigentlich sollten wir über solchen Unsinn gar nicht reden“, sagte der Pastor, „aber der eigentümliche Bezug der Kinder zu der ganzen Geschichte…“. er lässt die Worte in der Luft hängen.

„Also was bitte?“ Pal ist ungeduldig. „Es ist ein Dämon, ein Dämon ohne feste Gestalt. Ein bösartiger Damön, der überall Unheil stiftet. Er mag Kinder. Und er kann Menschen befallen.“ Pal stöhnt: „Jungs nicht doch, das meint ihr nicht ernst“. Callum zuckt die Schultern: „Es ist eine Erklärung. Und sie passt bisher am besten zu allen Puzzleteilen.“ „Pastor“, fragt Pal, „was ist mit alten Unterlagen über die Insel? Gibt es da irgendetwas? Vielleicht in der Kirche?“ „Die Kirche wurde erst nach diesen Gebäuden hier oben erbaut. Ich denke nicht, dass da etwas zu finden ist.“ Doch der Pastor verspricht, danach zu forschen.

„Also machen wir hier erst einmal wieder zu?“ fragt Callum. Der Pastor nickt, als eine Stimme hinter ihnen ertönt: „Wenn er nicht wieder rein kann, wird er noch ärgerlicher“, Joshua tritt langsam zu ihnen. „Weißt du, wo er jetzt ist?“ „Nein“, Joshua schüttelt den Kopf, „er ist nicht hier“. „Wir verschwinden hier“, sagt Callum.

Abends treffen sie sich wieder in der Kirche.

2 Gedanken zu „Die Insel: Das Seltsame

  1. Nur eine weitere Folge „der Insel“. Alle Folgen unter „Die Insel“ (oben in der Leiste). Der erste Beitrag ist der letzte auf Seite 2. Und ja, irgendwann gibt es vielleicht ein Buch, aber bis dahin wird noch eine Menge passieren auf der Insel.

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